Neues Raumplanungsgesetz als Instrument für nachhaltige Entwicklung
Das neue Raumplanungsgesetz soll laut dem kroatischen Minister für Raumplanung, Bauwesen und Staatsvermögen Branko Bačić zur weiteren Stärkung des kroatischen Tourismus und der Wirtschaft beitragen, gleichzeitig aber auch den Schutz wertvoller Gebiete gewährleisten. Der Minister äußerte sich dazu auf einer Konferenz in Opatija im Rahmen der Podiumsdiskussion „Kroatischer Tourismus 2025 – Sind wir bereit?“, organisiert von der Kroatischen Gesellschaft der Ökonomen und der Fakultät für Tourismus- und Hospitality-Management der Universität Rijeka.
„Der Tourismus ist in Kroatien ein großer Verbraucher von Raum – vor allem von besonders wertvollen, geschützten Küstengebieten. Der Raum darf jedoch kein Hindernis für die Entwicklung sein, sondern eine Ressource des Fortschritts“, sagte Bačić.
Ziel ist eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Tourismusentwicklung
Nach den Worten des Ministers ist es Ziel der neuen Gesetzgebung, eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Tourismusentwicklung zu ermöglichen, die den Möglichkeiten des Landes und seiner Wirtschaft entspricht. Das Gesetz soll bis Ende des Jahres in Kraft treten und gilt zusammen mit dem Gesetz über die touristische Tätigkeit als eines der wichtigsten Gesetze für die Weiterentwicklung des kroatischen Tourismus.
Beschränkung der Aufteilung von Eigentumseinheiten in Tourismuszonen
Eine der wichtigsten Maßnahmen des Gesetzesentwurfs ist die begrenzte Möglichkeit der Aufteilung von Eigentumseinheiten (sogenannte „Etažierung“) in touristischen Zonen. Die Bedingungen sind so festgelegt, dass Immobilienspekulationen verhindert werden:
- Die Maßnahme gilt nur für Zonen mit einem Mindeststandard von fünf Sternen,
- mindestens 70 % der Unterkunftskapazität müssen sich in Hotels befinden, die nicht aufgeteilt werden dürfen,
- höchstens 30 % dürfen in Villen oder anderen Objekten liegen, die geteilt werden können,
- eine Aufteilung der gesamten Zone ist erst nach Erteilung der Nutzungsgenehmigung für das gesamte Gebiet möglich.
Zudem wird vorgeschrieben, dass alle Villen weiterhin touristisch genutzt werden müssen. Künftige Eigentümer einzelner Einheiten müssen daher einen Vertrag abschließen, der sicherstellt, dass die Immobilie während der gesamten Nutzungsdauer im touristischen Betrieb verbleibt.
Strengere Sanktionen gegen illegale Bauten
Bačić wies auch auf mehrere neue Gesetze hin, die die Sanktionen für illegales Bauen verschärfen. Neu eingeführt wurde zudem eine strafrechtliche Verantwortung für Bauarbeiten in geschützten Gebieten. Das Ministerium plane laut Bačić weitere Verschärfungen und die Ausweitung dieser Maßnahmen auf andere Formen unerlaubter Bautätigkeit.
Regulierung von Campingplätzen und Mobilheimen in Kroatien
Ein weiterer Bereich, auf den sich das neue Gesetz konzentrieren wird, sind Campingplätze und Mobilheime in Kroatien. Der Minister erklärte, Ziel sei es, deren unkontrollierte Ausbreitung zu begrenzen und klare Regeln festzulegen.
„Unser Ziel ist es, die Bebauungsdichte der Campingplätze auf 30 % zu erhöhen, wobei auch Mobilheime in diese Quote einbezogen werden, da sie nach der Auslegung des Ministeriums und der Fachkammern als Bauwerke gelten“, so Bačić.
Betreiber von Campingplätzen erhalten eine Übergangsfrist von acht Jahren, um ihre Anlagen an die neuen Raumordnungspläne anzupassen.
Der Anteil des Tourismus am kroatischen Bruttoinlandsprodukt
Nach Angaben des kroatischen Statistikamtes (DZS) betrug der direkte Anteil des Tourismus am BIP im Jahr 2022 rund 11,3 %. Werden auch verwandte Tätigkeiten wie Transport, Handel und Dienstleistungen berücksichtigt, macht der Tourismus bis zu 24–25 % des kroatischen BIP aus.
(Quellen: Total Croatia News, TheGlobalEconomy.com)
Warum der Tourismus in Kroatien so streng reguliert ist
1. Schutz der Küste und der Landschaft
Die kroatische Küste gehört zu den wertvollsten Teilen des Landes – wirtschaftlich wie ökologisch. Die massive Bautätigkeit der letzten Jahre hat zu einem hohen Druck auf Landschaft und Infrastruktur geführt. Der Staat will klare Regeln festlegen, damit die Tourismusentwicklung nicht zu einer dauerhaften Schädigung der Umwelt führt.
2. Verhinderung von Immobilienspekulationen
In vielen Küstengebieten werden Objekte gebaut, die offiziell als touristische Unterkünfte deklariert sind, tatsächlich jedoch als Wohn- oder Anlageobjekte dienen. Die neue Gesetzgebung soll solchen Praktiken ein Ende setzen und den echten Tourismussektor schützen.
3. Saisonalität und Überlastung der Infrastruktur
Die Tourismussaison ist sehr kurz und auf die Sommermonate konzentriert, was zu erheblichen Schwankungen bei Wasserverbrauch, Verkehr, Energie und Abfall führt. Strengere Raumplanungsvorschriften sollen helfen, das Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Touristen und der Lebensqualität der Einheimischen zu wahren.
4. Nachhaltigkeit und Qualität der Destination
Kroatien bemüht sich, vom massenhaften Sommertourismus zu einem Modell mit höherer Wertschöpfung überzugehen – mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Servicequalität und dem Schutz des Raumes als zentraler Wirtschaftsressource.
Der Tourismus trägt direkt etwa 11 % zum kroatischen BIP bei, während sein gesamter wirtschaftlicher Einfluss bis zu ein Viertel der nationalen Wirtschaft ausmacht. Die Regulierung von Bauvorhaben, Eigentumsverhältnissen und der Nutzung von Küstengebieten ist daher kein Ausdruck von Bürokratie, sondern ein notwendiger Schritt zum Schutz einer strategischen Ressource des Landes – des Raumes, der das Fundament des kroatischen Tourismus bildet.